Coronavirus: Was jeder in Deutschland jetzt wissen muss – WELT

Gesundheit
Coronavirus

Was jeder in Deutschland jetzt wissen muss

Stand: 14:55 Uhr | Lesedauer: 5 Minuten

Nach zwei Wochen Quarantäne wieder in Freiheit

Die Quarantäne in Germersheim ist aufgehoben. Rund 120 isolierte China-Rückkehrer haben sich laut letzten Tests nicht mit dem Coronavirus angesteckt. Währenddessen müssen chinesische Mediziner kreativ werden.

Kaum jemand in Deutschland kommt darum herum, sich mit dem Coronavirus zu beschäftigen. Bevor hierzulande eine Erkrankungswelle ausbricht, kann sich jeder mit dem nötigen Wissen wappnen. Hier sind die wichtigsten Fakten.

Das Coronavirus vermehrt sich im Rachen und kann leicht weitergegeben werden. Wo es sich ausbreitet, müssen sich vor allem Menschen mit Vorerkrankungen schützen. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Erreger – in diesen Tagen auch durchaus Small-Talk-tauglich.

Wie wird das Virus übertragen?

Vor allem per Tröpfcheninfektion. Das Virus vermehrt sich schon im Rachen und nicht erst in der Lunge, wie zunächst angenommen worden war. Forscher haben auch bei Menschen, die sich gerade erst angesteckt hatten und sich noch gar nicht richtig krank fühlten, schon viele Viren im Rachenraum nachgewiesen. Aus dem Rachen können die Viren sehr schnell, schneller als aus der Lunge, wieder aus dem Körper gelangen: beim Husten, Niesen oder Naseschnäuzen. Dabei kann es auch auf Oberflächen gelangen, man kann sich möglicherweise auch anstecken, wenn man es dort mit den Händen aufnimmt und sich dann ins Gesicht fasst, also per Schmierinfektion. Die Mitarbeiter der Firma Webasto, die sich in Bayern angesteckt haben, hatten an Besprechungen mit der infizierten Kollegin aus China teilgenommen. Die Kollegin hatte nur leichte Symptome, die kaum auffielen.

Wie geht es den deutschen Patienten?

Am Mittwoch wurde der erste von 14 Covid-19-Patienten in Bayern aus dem Krankenhaus entlassen – „vollständig gesund und nicht mehr ansteckend“. Der Mann wurde in der München Klinik Schwabing behandelt – als einer von neun Patienten mit dem neuartigen Virus dort. Am Wochenende wurden einige weitere entlassen. Bei acht dieser Patienten war der Verlauf der Krankheit „sehr mild“, sagt der behandelnde Arzt Clemens Wendtner, Chef der Infektiologie. Sie hatten „im Einzelfall leichtes Fieber, sonst Husten“. Nur ein Patient bekam eine Lungenentzündung. „Dieser Patient wurde dann mit Lopinavir und Ritonavir als feste bekannte Kombination behandelt.“ Hier, so sagt Wendtner, könne er eine gute Nachricht verkünden: Dieser Patient befinde sich auf dem Wege der Besserung und sei absolut stabil. „Und auch hier sind wir sehr zuversichtlich, dass wir bald über eine Entlassung sprechen können.“

Lesen Sie auch

CORONA KRISE Deutscher Ingenieur in Shanghai Ich an einer bekannten Restaurantstrasse

Lesen Sie auch

Coronavirus structure, illustration. Coronaviruses cause respiratory tract infections in humans and are connected with common colds, pneumonia and severe acute respiratory syndrome (SARS).

In Germersheim war am Sonntag nach zwei Wochen für rund 120 China-Rückkehrer die Quarantäne beendet. Tests auf das Virus waren negativ ausgefallen. Die Quarantäne von 14 Tagen entspricht der maximalen Inkubationszeit – also der Zeit zwischen Ansteckung und Symptomen.

Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko in Deutschland?

Bis Freitag hatten sich in Deutschland 16 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert – alle waren seit Bekanntwerden ihrer Infektion isoliert. Noch gebe es in Deutschland keine Infektionsquellen, sagte der Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, Christian Drosten – das könne sich allerdings jederzeit ändern. Gerade jetzt sollte deshalb „jeder mitdenken und sich mit dieser Erkrankung befassen“, sagte Drosten. Man könnte zum Beispiel darüber nachdenken, welche Familienmitglieder im Falle einer Ausbreitung des Virus in Deutschland besonders gefährdet wären und wie man sie vor einer Ansteckung schützen könnte.

Wer ist besonders gefährdet?

Jeder kann sich mit Sars-CoV-2 anstecken, aber die Krankheit Covid-19 bricht nicht bei jedem in gleicher Schwere aus. Für die meisten Infizierten werde sie sich wie eine Erkältung anfühlen, sagte Virologe Drosten. Bisher scheine es, als könnten Kinder das Virus zwar übertragen, seien aber „praktisch nicht betroffen“ von der Krankheit; warum, weiß man noch nicht. „Die besondere Risikogruppe sind ältere Patienten. Und es gibt eine Betonung auf dem männlichen Geschlecht.“ Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Vorerkrankungen sind anfällig für Infektionen – das gilt für die Grippe, die in Deutschland umgeht, aber auch für das neue Virus.

Wie kann man sich und andere schützen?

Andere kann man schützen, indem man sich möglichst zurückzieht, wenn man krank ist, und beim Niesen oder Husten stets die Armbeuge oder ein Taschentuch vor den Mund hält. Benutzte Taschentücher sollten schnellstmöglich in geschlossenen Mülleimern entsorgt werden. Regelmäßiges Händewaschen schützt vor der Weitergabe von Krankheitserregern. Achtung: Man muss die Hände mindestens 20 Sekunden lang gründlich einseifen. Es lohnt sich, die Zeit einmal zu stoppen, um zu merken, wie lang das ist. Außerdem sollte man sich nicht mit den Händen ins Gesicht fassen, vor allem nicht in die Augen, die Nase und den Mund. Herkömmliche Atemmasken bieten Gesunden hingegen wenig Schutz vor Ansteckung, der Arzt Clemens Wendtner aus München hält sie für „sinnlos“. Zudem weist er darauf hin, dass „eine Befeuchtung der Maske den Barriereschutz schon innerhalb von 20 Minuten aufhebt“. Und feucht wird die Maske schon, wenn die Atemluft kondensiert.

Warum wird eine Impfung gegen Grippe empfohlen?

Um das Gesundheitssystem zu entlasten, falls es zu einer Corona-Epidemie in Deutschland kommen sollte. Die Impfung bietet keinen Schutz gegen das neue Coronavirus. Aber die Symptome beider Krankheiten ähneln sich, auch die Grippe kann schwer verlaufen, viele Patienten müssen im Krankenhaus behandelt werden. Die Grippewelle läuft schon, seit dem Herbst haben sich in Deutschland mindestens 58.000 Menschen angesteckt, 96 Menschen sind an den Folgen gestorben. Eine Impfung kann auch jetzt noch Schutz bieten. Gegen Sars-CoV-2 wird es frühestens in 18 Monaten einen Impfstoff geben.

Lesen Sie auch

Ein Arbeiter in Schutzanzug in der Lobby der Shanghaier Börse: Das Coronavirus könnte die Weltwirtschaft an den Rand der Rezession bringen

Lesen Sie auch

Wissenschaftlern des National Institute of Allergy and Infectious Diseases ist es gelungen, das Virus bei einem Patienten mikroskopisch vergrößert darzustellen. (Quelle: NIAID-RML)

Wer wird in Deutschland auf Sars-CoV-2 getestet?

„Getestet wird in Deutschland bei begründeten Verdachtsfällen, also Menschen mit Krankheitssymptomen, die Kontakt zu Erkrankten hatten oder einen Aufenthalt in einem Risikogebiet“, sagte Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts. Darüber hinaus haben sich in Deutschland offenbar bereits Tausende besorgte Menschen testen lassen, alle Ergebnisse waren negativ. „Sinnvoll sind solche emotional begründeten Tests nicht, denn sie kosten Ressourcen und tragen nicht dazu bei, dass wir ein Bild von der wahren Lage bekommen.“


Quelle: Infografik WELT

Dieser Text ist aus der WELT AM SONNTAG. Wir liefern sie Ihnen gerne regelmäßig nach Hause.


Quelle: WELT AM SONNTAG

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Copyright Zitub.com 2020